Visionen, Fleiß und Bürgerstolz: Erfolgsgeschichte einer badischen Privatbrauerei

In der Hirschen-Brauerei verbinden sich Waldkircher Brau- und Stadtgeschichte,  gepflegte lokale Tradition und höchste Ansprüche an die Braukunst. Die Hirschen-Brauerei ist die einzige verbliebene Brauerei der Stadt.

Die Geschichte der Hirschen-Brauerei beginnt in der Lange Straße, im Herzen Waldkirchs. Als das spätmittelalterliche Gasthaus „Zum Hirschen“ 1829 abbrannte, kaufte 1830 der Schützenwirt Michael Klausmann den an derselben Stelle errichteten Neubau. Als er – noch jung – starb, führte seine Witwe Barbara das Gasthaus alleine, bis ihre beiden Söhne alt genug waren, ins Geschäft einzusteigen. 1856 übernahm Heinrich, der ältere, das Gasthaus; 1868 erbaute sein jüngerer Bruder Karl auf dem Gelände am Gewerbekanal hinter dem Wirtshaus eine Brauerei. Die „Hirschen-Brauerei“ war gegründet!

Damals wie heute überzeugte das „Hirschen-Bräu“ recht schnell, so dass der Betrieb, den mittlerweile die Enkel von Michael Klausmann führten (sie hießen ebenfalls Heinrich und Karl) nach einer Lösung suchten, um der Nachfrage gewachsen zu sein. Die war ebenso mutig wie radikal und sollte die Geschichte der Stadtentwicklung nachhaltig beeinflussen: Am Stadtrand sollte eine neue Brauerei gebaut werden!

1904 entstand, als prächtiger historistischer Bau im Stil der Gründerzeit, das heutige Firmengebäude der Hirschen-Brauerei. Hinzu kam 1907 die „Restauration zum Stadtrain“ (heute die Brauereigaststätte „Stadtrainsee“) mit Biergarten. Das Ensemble wirkt auch heute noch imposant – früher stand es in Alleinlage und beherrschte die Südansicht der Stadt.  

An der Stelle der heutigen Brauerei fanden die Enkel des Brauereigründers alles, was sie suchten: kristallklares, mineralisches Quellwasser zum Bierbrauen – andere Wasserläufe speisten einen Eisweiher. Das hier gebrochene Eis wurde zum Kühlen der heißen Würze, aber auch zur Lagerung benötigt. In den nahegelegenen Felsenkellern, die eigens in den harten Gneis des Kandelmassivs getrieben worden waren, hielt es sich bis in die Sommermonate. 

Die Stadt schob sich in den folgenden Jahrzehnten langsam auf die Brauerei zu. Die Gaststätte wurde Vereinslokal des Turnvereins und der Schützengesellschaft und auch die anderen Waldkircher Sportler – inzwischen war in der Nachbarschaft ein Fußballplatz, später ein Stadion entstanden – schauten gerne herein. 

Unternehmerpersönlichkeiten, die tief in ihrer Heimat verwurzelt sind, wie der unvergessene Karl Klausmann und seine Schwestern Hedwig Klausmann und Klara Neff, geb. Klausmann, prägen die Geschichte des Unternehmens bis heute. Diplom-Braumeister Bernhard Neff, der Sohn von Klara, trat 1960 in die Hirschen-Brauerei ein und ist mit 83 Jahren bis heute noch täglich vor Ort. 2003 übernahm sein Sohn Harald – ebenfalls Diplom-Braumeister und seit seinem Studium in Weihenstephan mit im Betrieb – die Geschäftsleitung. 

Der Eisweiher wurde 1950/51 zum heutigen Stadtrainsee erweitert und der Aushub zum Bau des Elztalstadions verwendet. Der Stadtrainsee ist über viele Jahre zum Zentrum einer Naherholungslandschaft geworden, was durch die von der Hirschen-Brauerei 2008  errichtete Seeterrasse mit Selbstbedienungsrestaurant unterstrichen wird. 

Hier schließt sich der Kreis: Über fünf Generationen leben die Verbindung von Braukunst und traditioneller badischer Küche. 

Wer sich heute im von uralten Kastanienbäumen beschatteten Biergarten oder auf der Seeterrasse eine der Bierspezialitäten der Hirschen-Brauerei zu einem deftigen Vesper schmecken lässt, genießt ein einmaliges Erlebnis aus Genuss, Natur, Architektur und Tradition.

Historische Impressionen